Welche „Bilder“ vom Raum haben (angehende) Lehrkräfte und in welcher Hinsicht beeinflusst sie dies in ihrem professionellen Handeln in pädagogischen Kontexten (vgl. u. a. Matthes 2016)? Inwiefern sind Hierarchien, Exklusion und Benachteiligung in Bildungsprozessen auch räumlich determiniert (vgl. u. a. Echazarra & Radinger 2019)? Und kann Lernarchitektur eine Brückenfunktion einnehmen, um die „Grammatik der Schule“ (Tyack & Tobin 1994) entlang der Herausforderungen einer Wissens- und Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts weiterzuentwickeln?
Gesellschaftliche Transformationsprozesse und ihre veränderten Anforderungen an Schule (vgl. Klopsch & Sliwka 2020) betreffen auch räumliche Neuordnungen, wie unter anderem die Ausdifferenzierung virtueller Räume, die Zunahme von Nicht-Orten (vgl. Augé 1994) oder die Verinselung urbaner Lebensbereiche deutlich machen. Vor dem Hintergrund einer Re-Figuration des (Bildungs)Raums (vgl. Löw & Knoblauch 2019) stehen räumliche Neuordnungen in einem konfliktreichen Spannungsverhältnis zu aktuellen (schul)räumlichen Deutungs- und Nutzungsgewohnheiten. Aus den wenigen vorhandenen Studien zum Thema lässt sich beispielsweise ableiten, dass Lehrkräfte nach wie vor weitgehend mit einem deterministischen Raumverständnis arbeiten (vgl. Deinet 2007). Damit Raum zum Medium des Wandels werden kann, muss dieser überhaupt erst einmal als pädagogische Kategorie greifbar werden - nach wie vor stellt dies allerdings ein Desiderat in Bildungsforschung und pädagogischer Praxis dar (vgl. Bentlin & Klepp 2021, Sesink 2014).
Im Rahmen einer bildungs- bzw. berufsbiografischen Raumforschung und ausgehend von einem relationalen Raumverständnis beschäftigen Wissenschaftler*innen des Lehrstuhls sich im Forschungsschwerpunkt „Multikollektivität, Bildung und Raum“ unter anderem mit dem Transformationspotential von Bildungsräumen, den entsprechenden Rollen vielfältiger Akteur*innen und Möglichkeiten der Anbahnung emanzipatorischer räumlicher Praktiken in Bildungskontexten.