Prof. Dr. Wolfram Schaffar
Biographie

Seit 2021 hat Wolfram Schaffar den Lehrstuhl für Entwicklungspolitik an der Universität Passau inne. In seiner Forschung und Lehre beschäftigt er sich insbesondere mit der Digitalisierung und Plattformisierung, sozialen Bewegungen und politischer Mobilisierung, Demokratisierungsprozessen sowie dem Aufstieg des Autoritarismus im Globalen Süden, mit besonderem Fokus auf Ost- und Südostasien.
Vor dem Beginn seiner Tätigkeit in Passau war Wolfram Schaffar von 2010 bis 2018 Professor für Entwicklungsforschung und Politikwissenschaft am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien. Im Jahr 2020 vertrat er eine Professur für Japanologie an der Universität Tübingen. Zuvor war er als Assistant Professor und Lehrbeauftragter für Südostasienstudien am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn tätig. Darüber hinaus war er Fellow an der Fakultät für Politikwissenschaft sowie Gastdozent im Masterstudiengang International Development Studies (MAIDS) an der Chulalongkorn University in Bangkok (Thailand). Weitere Gastdozenturen führten ihn an das Department of International Relations der University of Yangon (Myanmar) sowie an die Jigme Singye Wangchuck School of Law in Thimphu/Paro (Bhutan).
Teilprojekt
Dieses Teilprojekt untersucht politische Entwicklungen im Zusammenhang mit der Plattformisierung in Südostasien. In dieser Region prägen soziale Medien und andere digitale Plattformen den Alltag in besonderem Maße. Zudem spielen seit dem Ende der COVID-19-Pandemie Online-Handelsplattformen, Lieferdienste und digitale Arbeitsplattformen eine zentrale Rolle für die Gestaltung lokaler, nationaler und transnationaler Wirtschaftsprozesse.
Die zunehmende Dominanz digitaler Plattformen im Alltag führt zu einer Verschränkung verschiedener gesellschaftlicher Sphären – darunter Sozialisation und Identitätsbildung, Konsum und Arbeit. Diese Bereiche werden immer stärker über Plattformen miteinander integriert. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind die Prosument:innen der K-Pop-Kultur: Das Geschäftsmodell der koreanischen Popindustrie beruht in hohem Maße auf der Einbindung von Fans in organisierte Fangemeinschaften (Fandoms). Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass diese Fans Musik und andere Produkte nicht nur konsumieren, sondern durch ihre Interaktionen untereinander sowie durch koordinierte Fanaktivitäten aktiv an der Gestaltung der Produkte und mitunter sogar der öffentlichen Persona der Künstler:innen mitwirken.
Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Integration von Arbeit, Konsum und Sozialisation untersucht das Teilprojekt neue Formen politischer Mobilisierung und Organisation. Ausgangspunkt sind Phänomene wie die Move Forward Party, die die Parlamentswahl in Thailand im Mai 2023 nicht auf Grundlage einer klassischen Parteiorganisation, sondern mithilfe einer K-Pop-ähnlichen Fangemeinschaft gewann, die in den Medien als Orange Fandom bezeichnet wurde. Ebenso werden Bewegungen wie die #MilkTeaAlliance untersucht – ein transnationales Demokratiebündnis, das aus K-Pop-ähnlichen Fankulturen hervorgegangen ist und sich vor allem mithilfe von Memes und popkulturellen Symbolen gegen autoritäre Regierungspraktiken in Ost- und Südostasien mobilisiert.
Publikationen
- Schaffar, Wolfram and Phraphakorn Wongratanawin (2021): The #MilkTeaAlliance: A new transnational pro-democracy movement against Chinese-centered globalization? Advances in South-East Asian Studies (ASEAS), 14(1), 5-35.
- Schaffar, Wolfram (2019): "The Social Media" in: Pavin Chachavalpongpun, Kewin Hewison, David Streckfuss, Paul Cham¬bers, Claudio Sopranzetti (eds.) Routledge Handbook of Contem¬porary Thailand. London: Routledge, 353-365.
- Schaffar, Wolfram and Naruemon Thabchumpol (2018): "Social media-based far right movements in Thailand". in: Emanuele Toscano (ed.): Researching far right movements. Ethics, methodologies and qualitative inquiries. London: Routledge, 102-116.
- Schaffar, Wolfram (2016): "New Social Media and Politics in Thailand: The Emergence of Fascist Vigilante Groups on Facebook", Austrian Journal of South-East Asian Studies (ASEAS), 9(2), 215-234.