Networks, Context and Media Control - Network Analytical Comparison of Discursive Polarization in the Situation of "Moral Panics" in Malaysia and Germany
Team
Projektbeschreibung
Das Projekt „Networks, Context and Media Control“ untersucht den Zusammenhang zwischen Mediendynamiken, diskursiver Polarisierung und dem Rechtsruck in gegenwärtigen Gesellschaften. Im Mittelpunkt steht das Phänomen der "moral panics", verstanden als Phasen erhöhter öffentlicher Besorgnis, in denen Medien und politische Akteur:innen bestimmte Ereignisse, Gruppen oder Verhaltensweisen als Bedrohung gesellschaftlicher Werte konstruieren (Cohen, 1972; Goode & Ben-Yehuda, 2009). Solche Dynamiken können gesellschaftliche Polarisierung verstärken und demokratische Normen untergraben, indem sie moralisierende Narrative und antagonistische Gruppenidentitäten fördern.
Das Projekt verfolgt einen komparativen und relationalen Forschungsansatz, um zu untersuchen, wie moralische Paniken und diskursive Polarisierung in unterschiedlichen Mediensystemen entstehen. Empirisch vergleicht es die Fälle Deutschland und Malaysia – zwei Kontexte, die sich hinsichtlich ihrer politischen Institutionen, der Medienregulierung und der historischen Entwicklung öffentlicher Kommunikation erheblich unterscheiden. Trotz dieser Unterschiede lassen sich in beiden Gesellschaften zunehmend polarisierte Debatten über Themen wie Migration, nationale Identität, Religion und kulturelle Zugehörigkeit beobachten. Mithilfe eines Most Different Systems Design untersucht das Projekt, welche gemeinsamen Mechanismen die Eskalation polarisierter Diskurse in unterschiedlichen politischen und medialen Kontexten antreiben (Esser & Vliegenthart, 2017).
Der theoretische Rahmen verbindet die klassische Forschung zu moral panics (Cohen, 1972; Garland, 2008; Goode & Ben-Yehuda, 2009) mit neueren Weiterentwicklungen wie dem Konzept der „polarizing moral panics“ (Zielińska & Pasamonik, 2022), aktuellen Arbeiten zur diskursiven Polarisierung (Brüggemann & Meyer, 2023) sowie Forschungen zu populistischen Kommunikationspraktiken. Im Zentrum steht die Frage, wie polarisierende Deutungsmuster und die Konstruktion antagonistisch gegenübergestellter Gruppenidentitäten („Wir gegen sie“) in Mediendiskursen verankert sind und durch kommunikative Netzwerke verstärkt werden.
Methoden
Methodisch kombiniert die Studie qualitative Netzwerkanalyse, Diskursanalyse und komparative Fallstudien, um die Beziehungen zwischen Akteur:innen, Narrativen und Medienplattformen in kontroversen öffentlichen Debatten zu untersuchen. Durch die Analyse sowohl medialer Inhalte als auch kommunikativer Interaktionen (z.B. in Kommentarspalten) erforscht das Projekt, wie diskursive Strukturen und Akteursnetzwerke zur Entstehung und Verstärkung moralisierender Narrative sowie polarisierender Deutungsrahmen beitragen.
Internationale Kollaborationen und Theoretischer Beitrag
Durch die internationale Zusammenarbeit mit Dr. Gayathry Venkiteswaran von der University of Nottingham Malaysia verfolgt das Projekt zugleich eine kontextsensible und global ausgerichtete Perspektive auf die Erforschung von Mediensystemen. Damit trägt es dazu bei, die Grenzen überwiegend eurozentrischer Ansätze in der Kommunikationswissenschaft zu überwinden. Die Projektergebnisse sollen einen Beitrag zu theoretischen Debatten über Medienmacht, moralische Polarisierung und demokratische Resilienz leisten und zugleich empirisch fundierte Erkenntnisse über die Mechanismen und Wechselwirkungen liefern, die politische Konflikte in unterschiedlichen Mediensystemen prägen.
Das Projekt wird im Rahmen des Bayerischen Programms zur Realisierung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre gefördert.
Aktivitäten
Workshops


