Projektdetails
Der neue autoritäre Charakter: Deutschland und Brasilien im Vergleich

Wie verbinden neue autoritäre Bewegungen Freiheit und Autorität? Eine vergleichende Studie zu Deutschland und Brasilien untersucht autoritäre Einstellungen und Charakterstrukturen.
Der weltweite Aufstieg neuer autoritärer Bewegungen hat die Debatte über die sozialen und psychologischen Grundlagen des Autoritarismus neu entfacht. Das an der Universität Passau angesiedelte und von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Forschungsprojekt untersucht, wie sich zeitgenössische Formen des Autoritarismus vom „alten“ autoritären Charakter unterscheiden, den Adorno und andere Mitte des 20. Jahrhunderts beschrieben haben.
Im Mittelpunkt steht ein Vergleich zwischen Deutschland und Brasilien. Das Forschungsteam am Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Regierungslehre (Prof. Dr. Lars Rensmann, Dr. Arthur Oliveira Bueno, Dr. David Jäger) geht der Frage nach, wie sich Vorstellungen von Freiheit und Autorität unter neoliberalen Bedingungen verändert haben. Während traditionelle autoritäre Persönlichkeiten äußere Autorität und moralische Konventionen betonten, verschmelzen in heutigen Bewegungen Freiheit und Autorität, so eine Leithypothese der Studie, zu einem gemeinsamen Ideal – der Überzeugung, dass persönliche Autonomie und Markterfolg Ausdruck desselben Prinzips sind. Dieses Paradox führt zu dem, was die Forschenden als „neuen autoritären Charakter“ ezeichnen: eine Verbindung neoliberaler Freiheitsvorstellungen mit reaktionären oder illiberalen Weltbildern.
Das Projekt verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz und kombiniert Befragungen und Tiefeninterviews in beiden Ländern, um autoritäre Einstellungen, Charakterstrukturen und deren gesellschaftliche Kontexte zu analysieren. Quantitative Analysen geben Aufschluss über die Verbreitung autoritärer Einstellungen, während qualitative Interviews und Diskursanalysen die psychologischen und kulturellen Dimensionen beleuchten. Durch die Verbindung beider methodischer Zugänge entsteht ein umfassendes und vergleichendes Bild der sozialpsychologischen Dynamiken neuer autoritärer Bewegungen.
Der Vergleich der beiden Länder ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Phänomene sichtbar zu machen und zu prüfen, ob es sich um eine einheitliche, global auftretende Form des Autoritarismus handelt oder um kontextspezifische Varianten, die von unterschiedlichen gesellschaftlichen und historischen Bedingungen geprägt sind. Die Ergebnisse sollen zu theoretischen Debatten in der Kritischen Theorie und politischen Psychologie beitragen und neue Einsichten in das Zusammenspiel neoliberaler Freiheitsideale und illiberaler Tendenzen in demokratischen Gesellschaften eröffnen.
Symbolbild: Wikimedia Commons
| Projektleitung an der Universität Passau | Prof. Dr. Lars Rensmann (Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Regierungslehre) |
|---|---|
| Laufzeit | 01.10.2025 - 30.09.2028 |
| Förderhinweis | Gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung. |