Abgeschlossene Forschungsprojekte
ERC-Consolidator Projekt: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf Russlands informationellen Einfluss im Ausland (RUSINFORM, 2019-2025)
Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 haben Russlands politische Eliten ihre Bemühungen massiv verstärkt, Medienpublika im Ausland zu beeinflussen. Unter anderem versuchte Russland, Einfluss auf demokratische Wahlen in Österreich, Frankreich, Deutschland, der Ukraine und den USA zu nehmen. Hier knüpfte das RUSINFORM-Projekt an, dessen übergeordnete Forschungsfrage lautete: Wie und mit welchen Konsequenzen haben neue internetbasierte Technologien zur Entstehung neuer Ressourcen, Techniken und Prozesse beigetragen, mit denen politische Eliten in Moskau Medienpublika im Ausland beeinflussen können? Diese Frage sollte mithilfe von vier Arbeitspaketen empirisch und theoretisch beantwortet werden.
Zur Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage des Projektes wurde im Rahmen eines theoretischen Arbeitspakets (WP4) systematisch geprüft, inwiefern das fundierte Wissen über die sowjetische Auslandspropaganda der Rundfunkzeit genutzt werden kann, um die jüngsten Bemühungen Russlands im digitalen Zeitalter zu verstehen. WP4 baute dabei auf drei weiteren empirischen Arbeitspaketen auf. Diese Arbeitspakete nahmen drei stark digitalisierte Elemente der jüngsten Bemühungen Russlands unter die Lupe. In methodischer Hinsicht sind WP1 bis 3 innovativ, da sie neue, sogenannte Computational Methods (Data Mining, automatisierte Textanalyse) mit traditionellen sozialwissenschaftlichen Methoden (Umfragen, qualitative Interviews, Grounded Theory) kombinierten.
Der Europäische Forschungsrat ERC förderte das Vorhaben über eine Laufzeit von sechs Jahren mit etwa zwei Millionen Euro.
Weitere Informationen: www.rusinform.uni-passau.de
Emmy Noether Nachwuchsforschungsgruppe: Zur Medialisierung (semi-)autoritärer Herrschaft: Die Macht des Internets im post-sowjetischen Raum (2014-2019)
Als es Anfang der 2010er Jahre in vielen nicht-demokratischen Regimen zu Aufständen kam, war in den Massenmedien schnell von Twitter-Revolutionen und Facebook-Protesten die Rede. Parallel dazu entspann sich in akademischen Fachzeitschriften eine Debatte um die Frage, wie internet-vermittelte Kommunikation in nicht-demokratichen Kontexten Politik verändert. Während es jedoch an essayistischen Abhandlungen nicht fehlte, schien sich ein Korpus an soliden wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema gerade erst herauszubilden. Insbesondere mangelte es lange Zeit an fallbasierten, ländervergleichenden Analysen. Dieser Mangel an vergleichender Forschung war problematisch, weil er die Möglichkeit zur Verallgemeinerung von Befunden über nationale Grenzen hinweg stark einschränkte. In den Jahren zwischen 2014 und 2019 bearbeitete die DFG-geförderte Nachwuchsforschungsgruppe diese Forschungslücke. Im Rahmen dessen verglich das Projekt die Phänomene und Konsequenzen von internet-vermittelter Kommunikation drei (semi-)autoritäter Regime der post-sowjetischen Welt: Russlands, Weißrusslands und der Ukraine.
Die zentrale Forschungsfrage des Projekts lautete: Wie hat die rasche Verbreitung internet-vermittelter Kommunikation im vergangenen Jahrzehnt politische Kommunikation, Politik, und politische Systeme im post-sowjetischen Raum verändert? Um dieser Frage nachzugehen, war das Projekt in fünf Subprojekte unterteilt. Jedes Subprojekt analysierte kommunikativen Wandel in Bezug auf eines der folgenden theoretischen Schlüsselkonzepte: (1) politische Repräsentation, (2) Dekodierung von Nachrichten, (3) Medienkompetenz, (4) politische Skandale, und (5) autoritäre Deliberation.
Veranstaltungsreihe "Political Communication in Russia, Eastern Europe and Eurasia"
Informationen zu der Veranstaltungsreihe "Political Communication in Russia, Eastern Europe and Eurasia" erhalten Sie auf der englischsprachigen Seite.